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Menonitas no Brasil

Mennoniten in Brasilien

   Nachrichten und Mennonitische Geschichte 

04.05.2026


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Editor: Udo Siemens

Nova edição: segundas, às 13 hs

Der Winter ist da 

Foto von Elizabeth Berg Klassen
 

 

Deutsche im Sonnenland

 Walter Quirings Reise 1932/33

in die eben gegründeten Kolonien

der Mennoniten in Paraguay und Brasilien

 



Hier
 

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Einwanderung und Anfänge

der Mennoniten in Brasilien

Teil 3

     

    Ein Brief von Heinrich Martens an seinen Freund Herman Neufeld:

    Hansa-Hammonia, Witmarsum, Alto Rio Krauel, Santa Catharina, Brasil, den 6. Juli 1930.

Lieber Freund und Bruder im Herrn Herman Neufeld!

Einen Gruß der Liebe zuvor!

     O was haben wir nicht für herrliche Gotteserfahrungen gehabt gerade in dem heutigen Rußland, wo alles wankt und bricht, es bleibt nur Jesus! Das will erlebt sein, soweit zu kommen, alles um sich für Schaden und Dreck zu achten, aber stark nur in Gott! Schwer, aber herrlich! Auf Adlers Flügeln getragen, wunderbar geführt und geleitet bis auf den heutigen Tag! Nur danken! Und wenn heute hier in Brasilien es manchen auch nicht so geht, wie er es sich wohl wünschte, so hat das wenig zu sagen, denn wir haben Gott auf unserer Seite! Bei Ihm sind wir geborgen, und nur Er allein hilft uns hindurch auch durch die alltäglichen Schwierigkeiten. —

      Wir sind hier bei 700 Mennoniten groß und klein, am Alto Rio Krauel in der Hanseatischen Kolonie angesiedelt. Anfänglich waren einige Familien bei benachbarten alten Kolonisten einquartiert; als der zweite Transport kam, nach ihm der dritte, wurden diese in speziell dazu errichteten Holzbaracken untergebracht, und heute nach 4 Monaten sehen unsere Augen Wunder: mit Fleiß und Gottvertrauen ist schon sehr viel Urwald geschlagen und gebrannt, und fast alle Familien (mit ganz geringen Ausnahmen) wohnen heute in ihren eigenen Holzhäuschen, jeder auf seiner Kolonie! Wohl alle haben Getreide gepflanzt. Wir essen schon aus unserem Gemüsegarten. Die meisten Familien haben auch schon Obstgärten angelegt.

      Ich will noch hinzufügen, daß an dem Wegebau stark gearbeitet wird. Noch wenige Wochen, und wir haben fahrbaren Weg da, wo vor wenigen Monaten dichter Urwald stand, es war kaum ein Fußweg oder Reitweg (Pikade — sagt man hier). Es ist eine Lust anzusehen, mit welchem Mut und Arbeitsfreudigkeit die meisten an ihre Arbeit gehen. Es ist kein leichtes Stück, Urwald urbar zu machen, es heißt da arbeiten und immer wieder arbeiten! Es gibt ja auch, allerdings jetzt weniger wie zu Anfang, Kopfhänger, die entweder Ägypten nicht vergessen können, oder immer wieder an Canada denken! Sie machen sich dadurch das Leben nur schwer! Heute nach 4 Monaten, sind solche schon sehr wenig, und ich denke, daß noch 4 Monate weiter sich solche Unzufriedenen auch werden beruhigt haben.

      Der letzte Transport von Mennoniten — 74 Personen — traf vor zwei Wochen hier ein, und hat sich auf dem sogenannten Stolz-Plateau (ebenfalls in der Hansa, 700 Meter ü.d.M.) niedergelassen. Alle weiteren Mennoniten Transporte kommen dorthin, weil der Alto Rio Krauel, wo die ersten drei Transporte sich befinden, schon keine freien Kolonien hat. Das Stolz-Plateau ist etwa gute 8 Stunden Fuhrweges von uns entfernt, sodaß wir oft Verbindung haben und auch weiterhin noch reger unterhalten wollen.

     Will noch erwähnen, daß die Ansiedlung am Alto Rio Krauel 400 Meter ü.d.M. liegt. Das Land auf dem Stolz-Plateau soll besser sein als das unsrige, darüber haben wir noch kein Urteil, weil Brasilien in seiner Bodenbeschaffenheit anders ist als eine russische Steppe. An Getreidebau ist in den ersten Jahren garnicht zu denken, ehe das Land frei ist von allen Wurzeln, vergehen doch mehrere Jahre. Knollen-Früchte: Aipim und Bataten, an die wir uns in dieser kurzen Zeit schon gewöhnt haben, bilden die Grundlage jedes Kolonisten. Als etwas Wesentliches kommt noch Mais hinzu. Aber nicht jeder Boden ist gut für Mais. Jede Kolonie hat verschiedenen Boden, man muß sich das geeignete Stück aussuchen auf seiner Kolonie und dann freischlagen. Es kommt also vor, daß ich vorne am Wege, wo ich wohne, Aipim und Bataten setze, ganz hinten aber, vielleicht 2 Kilometer rauf in meiner Kolonie, für Mais freischlagen muß, weil der Boden vorne nicht geeignet ist dazu. Auf andern Kolonien ist die Sache umgedreht. Aipim und Bataten sind genügsamer, Mais muß guten Boden haben.

     Wir haben gegenwärtig Winterzeit — Regenzeit. Ausnahmsweise hat es bis heute wenig geregnet, wie die alten Kolonisten sagen. Das freigeschlagene Land hat noch zu wenig Feuchtigkeit. Der brasilianische Herbst war auch sehr trocken, so daß die diesjährige Maisernte nur sehr schwach ausfällt. 

     Wir haben gegenwärtig Regenzeit, aber es ist so kalt bei 5—10 Grad über 0, daß wir nachts und auch am Tage ordentlich frieren, wenn wir nicht warm angezogen sind oder uns nicht warm zudecken beim Schlafen. Sogar die Früchte und Melonen kann man hier gut abräumen, wenn auch nur kurze Zeit. Denn sobald die Sonne scheint, ist's für gewöhnlich so warm, daß man sich gerne im Schatten verweilt. Das ist brasilianischer Winter! Das macht wohl die feuchte Kälte!

     Obstbäume und manches Gemüse werden jetzt im Winter gepflanzt, weil der brasilianische Frühling und Sommer zu heiß sind.

     Es ist wohl alles anders, als wir es in Rußland gewohnt waren, und doch — wie bald gewöhnt der Mensch sich zu etwas Neuem! Weizenbrot, Kartoffeln und dergl. vergessen wir bald. Wir freuen uns an den schwarzen Bohnen, an Maniok und Bataten, und an Maismehl. Es ist doch wunderbar, wie der liebe Gott für die Menschen in allen Ländern auf Seine Art und Weise sorgt!

      Auch für uns in unserer neuen Heimat! Die Verpflegung erhalten wir kostenlos bis zur neuen Ernte von der deutschen Regierung! Mit den allernotwendigsten Geräten sind alle Familien ebenfalls kostenlos versorgt worden. Viele Familien haben sich schon Hühner angelegt, und vor einigen Wochen erhielt ich aus Holland die Nachricht, daß die holländischen Brüder jede Familie mit einer Kuh bedacht haben. Ist das nicht großartig?

      Und diesen Gott sollt ich nicht ehren? Und Seine Güte nicht verstehen?

      Ebenso wird uns von den holländischen mennonitischen Brüdern auch eine Summe zur Verfügung gestellt für Schule, Kirche und Krankenhaus. Gott segnet sichtbar! Möchten wir hier am neuen Orte in dieser neuen irdischen Heimat, die Gott uns geschenkt, doch unser ganzes Leben aus Dankbarkeit so gestalten, dass Er Wohlgefallen daran haben kann!

      Wir wohnen ca. 35 Kilometer von der nächst größeren Stadt Neu Breslau entfernt. Aber, wenn es Gottes Wille ist, gehen wir in nächster Zeit an die Gründung des ersten Mennonitenstädtchen. Anstossend an meine Kolonie hat die Hansadirektion in liebenswürdiger Weise uns eine kleine Kolonie von 8 und halb Hektar als Geschenk gegeben zum Stadtplatz. Ich habe das Geschenk dankbar angenommen. Der Name des neuen Städtchens, wo heute schon etwas über 2 Hektar frei geschlagen sind, ist: Witmarsum. Deren Namen erhält auch die mennonitische Ansiedlung am Alto Rio Krauel.

     Der allgemeine Gesundheitszustand ist befriedigend. Besonders in der ersten Zeit, als es noch recht heiß war, traten verschiedene Krankheiten auf, die als Ursache hauptsächlich Malaria hatten. Sehr häufig sind Kratz- und Eiterwunden, die aber bald heilen bei richtiger Pflege, wenn man sich nicht weiter kratzt, was bei kleinen Kindern manchmal schwer ist. Fieber ist nicht viel gewesen. Die Gegend sind somit fieberfrei. In den Tiefen, wo noch wenig Wald geschlagen ist, tritt häufiger Fieber auf. Wir können sagen: Gott sei Dank, viel schwerere Krankheiten hat es bis heute nicht gegeben. Es sind verschiedene Unglücksfälle vorgekommen beim Waldschlagen: hin und wieder hackt sich jemand ins Bein. Bis heute konnten solche Fälle noch immer ausgeheilt werden. Gute Dienste leistet uns die reichhaltige allgemeine Apotheke, die jede Gruppe als Liebesgabe aus Deutschland mitgebracht.

     Deine beiden Briefe, Du lieber Bruder Herman, habe ich schon bald vor Monaten erhalten. Es ist nicht recht von mir, daß ich Dich so lange habe warten lassen auf Antwort. Ich will mich auch gar nicht erst entschuldigen, denn das Versäumte läßt sich schwer nachholen. Aber ich möchte etwas zu meiner Rechtfertigung sagen: In den 3 ersten Monaten war ich so stark mit Arbeit belastet, daß meine Nerven versagen wollten, wie es in Rußland schon einmal der Fall mit mir war. Die gröbsten Anfangsschwierigkeiten unserer neuen Ansiedlung scheinen jetzt doch vorüber zu sein, ich kann etwas freier aufatmen und allmählich auch die recht zahlreich eingelaufene Korrespondenz erledigen.

      Ich habe bis heute fast durchweg Tag und halbe Nächte durcharbeiten müssen, sodaß ich für die Arbeit auf meiner Kolonie fast gar keine Zeit erübrigen konnte. Die holländischen Brüder haben in großmütiger Weise auch an mich persönlich gedacht und mir eine Spende zukommen lassen, damit ich die gröbste Arbeit auf meiner Kolonie für Geld machen lasse. Wenn ich nicht Gott zum Beistand hätte, dann würde mich die ganze Arbeitslast doch erdrücken. Wir fühlen es, daß für uns viel gebetet worden ist und noch wird.

      Wir danken allen dafür und bitten aber, fortzufahren, denn wir brauchen es! Wir wollen aber nicht eigennützig sein und nur an uns denken! Die schwergeprüften Zurückgebliebenen in Rußland bedürfen unser aller Fürbitte noch in viel größerem Maße. Es sind traurige, ja schreckliche Nachrichten! Möge der große allmächtige Gott ihnen auch weiter beistehen! Wir aber wollen uns demütigen unter Seine Hand, da wir nichts besser sind als diese, und doch auf eine wunderbare Weise ausgeführt worden sind! Wenn uns auch manches fehlt, und vieles noch nicht so ist, wie wir es gerne haben möchten, so müssen wir nur dankbar sein!

     Gottesdienste haben wir an den Sonntagen auf mehreren Stellen, auch Sonntagsschule. In den ersten eineinhalb Monaten führte ich allein die Sonntagsschule neben den Gottesdiensten. Als mit dem zweiten Transport mehr Arbeiter kamen, hatte ich es leichter. Die Sonntagsschulen werden sehr gerne besucht von den Kindern. Es fehlt uns wohl an passendem Sonntagsschulmaterial, aber wir sind noch zu arm, uns verschiedenes zu kaufen oder zu verschreiben. Ebenso geht’s uns mit entsprechendem Material für den Religionsunterricht unserer heranwachsenden Jugend, auch haben wir Prediger durchweg zu wenig Hilfsbücher für unsere Arbeit im Weinberge des Herrn.

      Ich wage Dich nicht um viel zu bitten, denn ich bin sehr dankbar für „Die Mennonitische Rundschau“! Sie ist mir ein lieber Gast, ich lese sie gerne! Wenn ich darf, werde ich auch weiterhin hin und wieder von uns etwas berichten! Die Rundschau ist mir ein freundlicher Gruß aus unserem mennonitischen Kreisen. Ich möchte diesen Gruß von uns, den brasilianischen Mennoniten, erwidern durch folgenden Wunsch: Gott segne alle, die an seinem Werke stehen, alle, die sich sein Eigentum nennen, sowohl Editor als auch die vielen Leser! Möchten wir uns in einem Punkt einig sein: Treu in der Nachfolge Jesu!

     Ich grüße hiermit auch alle meine vielen Bekannten von Rußland her, die in diesen Jahren nach Kanada rüberkommen durften. Ich habe noch einige Briefe zu beantworten nach Kanada, und ich bitte, sich etwas zu gedulden! Jetzt kommt auch an Euch die Reihe!

Die herzlichsten Grüße an meinen lieben Freund C. F. Klaassen in Winnipeg, 146 Glendale Blvd., und an F. F. Isaak, Winnipeg, 250 Leighton Ave.! Entschuldigt, daß ich Eure mir sehr werten Briefe bis heute noch nicht beantwortet habe!

     Meine Familie ist, Gott sei Dank, gesund! Um Ostern herum lag meine Frau schwer krank am gastrichen Magenfieber. Wir dachten schon, d. h. unsere 4 Kleinen und ich, dass Gott unsere liebe Mutter abberufen wolle. Aber Er ließ Gnade walten und schenkten sie uns wieder, die wir noch so sehr notwendig brauchen. Dank sei Ihm dafür! Heute sind wir alle ganz munter!

     Jetzt muss ich schließen, sonst nimmt mein Bericht zu viel Platz ein! Du wirst mir deswegen doch nicht zürnen, mein lieber Freund Herman! (Nein, ich warte nur auf weitere lange Berichte, denn Eure Freuden sind unsere Freuden, und Euer Schmerz ist unser Schmerz. Ed.)

      Bitte grüße Deinen alten Vater, den ich noch in Halbstadt kennenlernen durfte, auch Deinen Bruder Kornelius! Wenn’s möglich ist, dann schicke mir doch bitte den großen mennonitischen Katechismus mit den Glaubensartikeln! Wir könnten auch 24 Exemplare gebrauchen, ich würde Dir aber dankbar sein auch für ein Exemplar! Heute kann ich es nicht bezahlen, hab vielleicht ein Jahr mit mir Geduld, bis ich die ersten Früchte von meiner Ernte einheimse!

Gott segne Dich in Deiner schweren Arbeit!

Die herzlichsten Grüße von meiner Familie.

In brüderlicher Liebe verbleibe ich

Dein Freund Heinrich Martens.

MR 1930-08-13



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Inauguração da Ponte de Guaratuba

Âncora 1

Deutsche im Sonnenland

 Walter Quirings Reise 1932/33

in die eben gegründeten Kolonien

der Mennoniten in Paraguay und Brasilien

Teil 2

     Dr. Walter Quiring machte 1932/33 eine Reise nach Süd- und Nordamerika. Über ein Jahr lebte Herr Quiring bei mennonitischen Glaubensgenossen im Chaco von Paraguay und reiste von dort über Argentinien und Uruguay nach Brasilien, wo er etwa drei Monate lang in den mennonitischen Hansakolonien arbeitete.

    Er schrieb danach ein Reisetagebuch, das im "Boten" veröffentlicht wurde. Ich gebe es etwas gekürzt in den folgenden Ausgaben wieder.

 

4. Im Kaffeeland.

      Am Nachmittag des 27. Juni kommt rechts Land in Sicht, eine ziemlich weit ins Meer vorspringende braune Felskuppe, hinter der allmählich eine hohe Gebirgskette sichtbar wird. Das ist Brasilien! Bald kommen wir näher an das Land heran, und ich erkenne, dass der Felsvorsprung eine Insel ist, an der eine gewaltige Brandung tobt. Zehn bis fünfzehn Meter hoch werden die weißen Schaumballlen hier geschleudert.

     Die Sonne scheint hier noch wieder etwas anders als am Äquator. Sie ist zwar nicht heller als in Europa, aber die Strahlen sind irgendwie dichter und blenden darum sehr stark. Tropensonne!

     Wir nähern uns Rio de Janeiro. Das Abendessen wird um eine halbe Stunde vorverlegt, damit wir von der Einfahrt in den Hafen, die sehr schön sein soll, ja nichts zu versäumen brauchen. Um halb sechs beginnt es in diesen Breiten und um diese Jahreszeit schon zu dunkeln, und um sechs ist es ganz finster.

      Ich stehe vorn auf dem Schiff und starre dem kommenden Wunder entgegen. Rio gilt als die schönste Stadt der Welt, und ich bin voller Erwartung, sie kennenzulernen. Weit vorn am Horizont hebt sich allmählich ein heller Fleck ab – die Lichter der Stadt, und bald sind sie auch einzeln zu unterscheiden. Die „Lipari“ steuert geradewegs auf einen riesengroßen schwarzen Felsen zu, dessen Umfang in der Dunkelheit bald geradezu ins Phantastische wächst. Dann aber biegt sie hübsch ab nach rechts in das breite Fahrwasser. Die abertausende Lichter – ein förmliches Feuerwerk – sind schon ganz deutlich zu unterscheiden. Die ganze lange vor uns ausgebreitete Küste, rechts von uns und nach links, wohin ich auch blicke – Licht an Licht, in langen, langen Reihen und großen Bündeln.

      Bald sehe ich voraus, noch ziemlich weit weg, einen richtigen Feenpalast, ein großes Kuppelgebäude, ganz wie in Feuer getaucht. Das brasilianische Parlament, sagt man mir.

     An einem Wolkenkratzer, der dreißig Stockwerke haben soll, blitzt ab und zu ein Wort auf, das ich aber noch nicht entziffern kann. Von ihm links zieht sich, wie es dem Auge von hier aus gesehen erscheint, eine schnurgerade Lichterreihe von vielleicht acht Kilometer Länge hin. Das ist die berühmte Uferstraße, die Strandpromenade der Fluminenser, wie die Bewohner von Rio genannt werden. Dass das Land auch hier sehr gebirgig ist, kann das Auge trotz der Dunkelheit unterscheiden. Die einzelnen Stadtteile liegen zerstreut in den Bergen, an Abhängen und in Tälern.

     Bald hört das Schaukeln der „Lipari“ auf, und wir fahren durch ein breites Felsentor in die eigentliche riesengroße Hafenbucht ein. Ist das ein prachtvolles Bild! Überall – an beiden Seiten unserer Fahrstraße – liegen zerstreut weiße, grüne und rote Rosen. Hell erleuchtete weiße Fahrzeuge schießen auf dem dunklen Wasser hin und her, und ununterbrochen ertönen Sirenen und vielstimmige Pfeifen.

     Ich bedauere, dass die Flüchtlinge trotz der frühen Stunde schon zu Bett gegangen sind. Ihre Sorgen machen sie unempfänglich für die Schönheiten dieser einzigartigen Reise. Von den Fahrgästen der ersten und zweiten Klasse fehlt draußen nicht ein einziger.

     Unser Schiff schiebt sich langsam bis etwa in die Mitte des Hafens und lässt dann rasselnd die Anker in die Tiefe. Nun sollen wir nach fünfzehn Tagen, in denen wir uns an das ständige Schaukeln gewöhnt haben, wieder einmal eine ganz ruhige Nacht haben. Aber fast vermisse ich das gewohnte Schaukeln und Zittern des Schiffes. Ich bleibe noch lange draußen und freue mich an dem herrlichen Anblick. Es ist ein geradezu märchenhaftes Bild, dieses nächtliche Rio. Im Hintergrunde sind die Berge gerade verdeckt von einer schwarzen Wolkenwand, während über uns der gestirnte Himmel blaut. Aber er verblasst beinah gegen die unzähligen funkelnden Lichter der Stadt. Bald flammen hier, bald dort an den hohen Felswänden Reklamebilder auf – Agfa, Kodak, Good Year u.a. Aber schließlich muss ich mich doch losreissen und gehe in meine Kabine. Das erlebte Märchenbild nehme ich mit hinein in meine Träume.

     Sehr früh morgens schon kommen Vertreter der brasilianischen Sanitätsbehörden an Bord, die Flüchtlinge zu untersuchen. Diese werden hier ausgeschifft, um auf die Quarantänestation, die Blumeninsel, gebracht zu werden.

     Als ich hinauskam, bewegt sich die „Lipari“ gerade langsam vorwärts, dem Kai zu. Die Flüchtlinge haben uns schon verlassen. Wieder nimmt mich dieser wunderbare Anblick sofort gefangen. Vor mir liegt das riesengroße Hafenbecken, eingefasst ringsum von hohen Bergen. Der Hafen ist so groß, dass in ihm die gesamten Flotten der Welt Platz haben sollen. Nur vorne hat die Natur eine nicht allzu breite Einfahrt gelassen. Rings um uns liegen eine Anzahl Überseedampfer aus aller Herren Länder. Besonders „dick“ tut sich der italienische „Julius Cäsar“, gegen den gesehen sich unsere „Lipari“ wie eine kleine Yacht ausnimmt.

    Kleine wendige Dampfboote vermitteln den Verkehr zwischen dem Festlande und den vielen zerstreut liegenden Inseln. Zwischen diesen bewegen sich kreuz und quer hundert Boote und Motorfahrzeuge.

     Die Stadt ist von hier nur teilweise zu überblicken. Sie liegt, wie gesagt, in einzelnen Tälern zwischen den Bergen. Ich bin überrascht, hier so viele Hochbauten zu sehen.

      Hinter der Stadt erhebt sich das Wahrzeichen Rios, eine hohe Christusfigur, auf einem alles überragenden Berge, dem Corcovado. Segnend breitet der weiße Christus seine Hände seitwärts über die Stadt aus.

     Kaum hat die „Lipari“ festgemacht, als von allen Seiten Händler in kleinen Booten auf uns losschießen. Mit viel Geschrei bieten sie prachtvolle Bananen, Apfelsinen, Grapefruit an, alles für unsere Begriffe spottbillig.

     Einige Fahrgäste der dritten Klasse kaufen sich für achtzig Pfennig einen ganzen Zentner schönster Bananen und für zehn Pfennig eine große Schürze voll Apfelsinen. Sie werfen die Münzen in das Boot hinunter und holen das Obst mit einem Strick, an dem ein Korb befestigt ist, herauf. Auch gebrannten Bohnenkaffee bieten die Burschen an, 20 Pfennig das Pfund. Das wäre hier ein Eldorado für unsere mennischen Mumkes, denke ich.

     Die Schiffstreppe wird hinuntergelassen, und die Fahrgäste1. Klasse dürfen an Land. Unten am Schiff stehen Gruppen Wartender, um Verwandte und Freunde abzuholen. Vorn an der Mauer drängt sich eine ganze Armee Gepäckträger, die Gesichter vom hoffnungslosesten Schwarz bis zum schönsten Gelb. Das ist hier wirklich eine „gemischte“ Gesellschaft. Durch Winken, Rufen, Pfeifen und Zischen versuchen sie, unsere Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Geradezu flehentlich bitten sie, sich ja ihre Nummer zu merken. Aber es steigen nur wenige Reisende aus. Als ich von Bord gehe, empfängt mich die arbeitsmütige Menge mit einem großen Redeschwall. Aber da ich kein Gepäck mitführe, lassen sie bald von mir ab.

      Wenige Schritte vom Hafen beginnt die Hauptstraße, die Avenida Rio Branco, die Prachtstraße Rios. An beiden Seiten reiht sich Palast an Palast, dazwischen liegen Büros, Banken, Handels- und Speisehäuser, Agenturen der Schifffahrtsgesellschaften, Friseurläden u.a. Zwei breite Reihen Kraftwagen schieben sich die von Bäumen eingefasste Strasse entlang. Das ist hier ein Verkehr wie in Paris.

      Und das Publikum? Bunt, bunter am buntesten! Klein, schmächtig und hager sind die meisten Menschen und alle irgendwie farbig gemischt. Die Frauen haben knallrot gefärbte Lippen und ebenso gefärbte Fingernägel. Manche tragen auch hellgrüne oder grellrote auffallende Haarkämme. Andere haben sich ihre pechschwarzen Locken durch Wasserstoff hellrot färben lassen und scheinen nun besonders beneidet zu sein.

      Die Läden und Cafés sind auch hier an der Straßenseite fast alle offen, was mit dem milden Klima zusammenhängen mag. Die Strassen sind ausgezeichnet in Ordnung und mindestens so sauber wie bei uns in München.

     Ich bummle die Hauptstraße entlang und komme schließlich an das Meer, und zwar gerade an die Stelle, wo die von mir am Vorabend wegen der vielen Lichter bewunderte Uferstraße beginnt. Weit vorn an der Hafeneinfahrt sehe ich einen hohen spitzen Bergkegel aus dem Wasser ragen, den sog. Zuckerhut, auf den eine Drahtseilbahn führt. Aber die Entfernung täuscht, und ich brauche gut zwei Stunden, bis ich die Talstation erreiche.

     Aber was sich hier oben meiner Blicke auftut, ist so schön, dass es mit gar nichts, was ich bis dahin an Schönem gesehen habe, gemessen werden kann. Weder Berlin noch Paris, Wien oder Rom, Moskau oder Petersburg halten einen Vergleich aus mit Rio. Auf der einen Seite zieht sich der unendliche Ozean hin und auf der anderen Seite liegen, ganz großzügig angeordnet, die mit Häusern förmlich beklebten Berge. Wie auf der Hand liegend ist das ausgedehnte Hafengebiet von hier zu überblicken; weit weg wird das Bild abgeschlossen von dem zackigen Orgelgebirge.

     Zurück fahre ich auf einem Omnibus, der übrigens ziemlich teuer ist, und komme gerade an den Hafen, als es stark zu regnen anfängt. Nun ist es mit der Stadtbesichtigung leider vorbei. Um fünf Uhr abends will die „Lipari“ wieder in See gehen, und allmählich kehren die Fahrgäste auf das Schiff zurück. Aber pünktlich sind die Franzosen nicht, das sollen wir in jedem Hafen neu erleben. Erst um zwei Uhr nachts sind sie mit dem Ausladen fertig, obwohl fünf Hebekräne ununterbrochen in Tätigkeit gewesen sind, den geräumigen Bauch der „Lipari“ zu leeren. Ich mag nicht ins Bett gehen, und will die Ausfahrt aus dem Hafen noch erleben, und erst um drei Uhr suche ich meine Kabine auf.

     Gegen Abend des anderen Tages nähern wir uns Santos, der weltbekannten Kaffeestadt. Aber diese Stadt hält mit Rio keinen Vergleich aus. Schon diese Einfahrt in die Flussmündung! Ein nur weitläufig bebauter Strand, auf dem zerstreut einige gelbe Häuser liegen, bieten sich unseren Blicken. Weiter flussaufwärts wird eine Reihe Hebekräne und ein Funkturm sichtbar. Vor dem Eingang in den eigentlichen Hafen ragt das Wrack eines deutschen Dampfers aus dem Wasser.

     Der Lotse, der bald an Bord kommt, ist aus irgendeinem Grunde aufgeregt und schimpft. Die „Lipari“ schiebt sich langsam ein Stück den Fluss hinauf und lässt sich dann seitwärts an den Kai schieben. Hier erwartet uns eine große Menschenmenge; irgendeiner unserer Mitreisenden wird feierlich empfangen und abgeholt. Viele der Wartenden haben Blumensträusse in den Händen. Polizei und Zollbeamte kommen an Bord, und erst als man eine grössere Anzahl Arbeiter auf das Schiff gelassen hat, dürfen unsere Fahrgäste an Land.

     Auch hier kommt der Steward nachsehen, ob ich auch meine Fenster heruntergelassen und die Kabinentür abgeschlossen habe; denn was nicht niet- und nagelfest ist, wird in den Häfen gestohlen.

     Nach dem Abendessen mache ich mich auf den Weg in die Stadt. Als ich die Umzäunung des Landeplatzes verlasse, stehe ich auf einem vernachlässigten, schlecht beleuchteten Platz. Aus den etwas weiter ab unter fremdartigen Bäumen liegenden Häuschen schallt Mandolinenmusik. Am Ufer reiht sich Speicher an Speicher, in denen Millionen Zentner Kaffee aufgeschüttet liegen. Auf der Strasse könnten viele Zentner Kaffee zusammengefegt werden, die hier beim Verladen verschüttet werden. Aber diese Frucht ist hier im Ursprungsland fast wertlos. Erst wenige Tage vor unserer Ankunft hat man hier 400.000 Sack Kaffee ins Meer geschüttet, um die Weltmarktpreise zu halten.

      Ich sehe, dass unter den Bäumen verdächtige, heruntergekommene Gestalten herumlungern, verhandle ergebnislos mit einem Chauffeur, der für eine zwanzig Minuten lange Fahrt durch die Stadt einen unerhört hohen Preis verlangt, schwinge mich schließlich auf einen vorbeiratternden Wagen der Straßenbahn, der an einer Seite offen ist, und fahre mit. Wohin, das weiß ich selber nicht. Ich nehme an, dass der Wagen stadteinwärts fährt. Der Wagen schaukelt stärker als die „Lipari“. Das mitfahrende Publikum ist offenbar aus der Hafengegend. Neben mir sitzt ein fetter, ständig grinsender Neger und auf der anderen Seite ein halbbrauner Bursche mit Händen so groß wie eine kleine Schaufel. An irgendeiner Haltestelle steige ich aus. Aber die Gegend scheine ich wenig günstig gewählt zu haben. Hier reiht sich Schenke an Schenke, eine schmutziger als die andere. Mein Erscheinen in dieser Strasse erregt förmlich Aufsehen. In den auch hier nach der Strasse offenen Spelunken recken die Zecher die Hälse, hie und da erhebt sich einer von ihnen und kommt auf die Strasse, und bald habe ich acht bis zehn Begleiter an meiner Seite.

     Ich scheine in eine ganz schlimme Hafengegend geraten zu sein. Da sehe ich an einer Straßenecke einen Schutzmann stehen und steuere auf ihn zu. Zufällig fährt gerade ein Auto vorbei. Ich winke ihm und steige ein, ohne erst lange um den Fahrpreis zu feilschen, wie das notwendig wäre.

      Langsam fahren wir durch die Stadt, aber sie macht einen recht dürftigen Eindruck. Die Strassen sind eng und klein. Das Schönste im Stadtbild sind ohne Zweifel die prächtigen Palmen. Auch hier sehe ich in den Schaufenstern das herrliche Obst in Menge aufgestapelt.

     Als ich zum Schiff zurückkehre, werden gerade Riesenmengen grüner Bananen verladen – vier Eisenbahnwagen voll. Spät nachts lichtet die „Lipari“ die Anker.

     In drei Tagen sollen wir in Uruguay sein, und als ich am 3. Juli aufwache, merke ich, dass unsere Maschinen nicht mehr laufen, folglich müssen wir Montevideo erreicht haben.

     Rasch springe ich auf und eile ans Fenster. Jawohl, wir sind bereits in der Mündung des La Plata und nicht mehr weit von der Hauptstadt des Landes. Unseren Dampfer umspülen schmutzig gelbe Fluten, die von einem recht starken Westwind aufgewühlt werden. Schiffe begegnen uns in großer Zahl – ungeschlachte Überseefahrer und die kleinen brasilianischen Küsten-dampfer – und tauschen mit der „Lipari“ den üblichen Gruß.

     Ein einfacher Steindamm grenzt das innere, recht enge Hafenbecken ab. Die „Lipari“ hat hier keine Manövrierfreiheit, und zwei kleine Dampferchen stemmen ihre Nasen gegen die Flanke unseres Schiffes und schieben es so seitwärts an den Kai. Hier dürfen alle Fahrgäste unterschiedslos an Land, und Niebuhr und ich machen uns sofort auf den Weg. Die Stadt macht einen durchaus europäischen Eindruck, nur sauberer könnte sie sein.

     Immer wieder fällt mir in den südamerikanischen Städten die Leidenschaft der Bewohner für das Glücksspiel auf. In manchen Straßen verkauft fast jedes zweite Geschäft Lotterielose, und auch auf den Straßen sind die zudringlichen Losverkäufer nur schwer abzuschütteln. An fast allen Straßenecken stehen hier die Erdnussverkäufer, wie in Italien die Händler mit heißen Makkaroni.

 „Der Bote" Mittwoch, den 18. Dezember 1935

 

 

5. Die Stadt der „guten Lüfte“.

     

       Die ärztliche Untersuchung wird schon am Abend vor der Ankunft in Buenos Aires noch auf dem Schiff vorgenommen. Sie besteht für mich darin, dass der Arzt, offenbar ein Jude, mich begrüsst und dann neben meinen Namen ein Kreuz hinzeichnet.

      Während ich morgens meine Koffer packe, sehe ich zwischendurch immer wieder zum Fenster hinaus. Die auf dem flachen Strande ausgebreitete argentinische Hauptstadt kommt immer näher. Der lehmig-gelbe La Platafluss ist hier immer noch sehr breit, wenn auch schon bedeutend schmäler als etwa vor Montevideo.

      Als die „Lipari“ am Pier anlegt, bin ich mit dem Packen gerade fertig. Man bittet mich in den Rauchsalon. Passkontrolle. Meine Papiere werden in Ordnung befunden, und ich darf anstandslos passieren. An einem der Tische hat die „Argentinische Nationalbank“ eine „Abteilung“ eröffnet, und Postbeamte laufen umher und bieten ihre Dienste an.

      Ich stelle noch während der Fahrt fest, dass das nächste Schiff nach Asunción erst in einer Woche geht, und bin darum besorgt wegen der Unterbringung meiner Schützlinge Niebuhr und Mierau. Die deutsche Gesandtschaft hat fürsorglich einen Beamten an den Hafen geschickt, und wir verhandeln mit dem Kapitän der „Lipari“, der sich schließlich bereit erklärt, die Flüchtlinge die ganze Woche unentgeltlich auf seinem Schiff zu belassen.

      Der erste argentinische Gepäckträger haut mich gründlich übers Ohr. Ich verwechsle den argentinischen Kurs mit dem paraguayischen und zahle ihm ohne weiteres die verlangten fünf Pesos, – gleich etwa fünf Reichsmark. Also besser aufgepasst in Südamerika!

     Im „Deutschen Hospiz“ finde ich ein Zimmer, aber als der Pförtner die Tür zu ihm öffnet, frage ich unwillkürlich: „Ein besseres haben Sie wohl nicht?“ Gleich aber bedauere ich die Frage und nehme das Zimmer doch. Unser deutscher Maßstab, den wir an die äußeren Dinge des Lebens zu legen gewohnt sind, muss jetzt außer Kraft gesetzt werden. Es kann nur gut sein, wenn ich mich rechtzeitig auf den wilden Chaco einstelle.

      Nachdem ich ein Bad genommen und zu Mittag gespeist habe, gehe ich hinaus, die Stadt anzusehen. Ich wandere die Hafenstraße entlang dem Stadtinneren zu. Auch hier liegt Kneipe an Kneipe, deren Besitzer durch alle möglichen Mittel bemüht sind, Kundschaft anzulocken. Hier steht vor der Tür eines Kellerlokals ein Riesen-Negerweib und zeigt ihre blendend weißen Zähne. Gleich daneben hockt ein feister Mulatte und schlägt die Trommel, dass das Pflaster dröhnt. Aus einem verräucherten düsteren Speiseraum dringt Blasmusik, die mich zwingt, den Schritt zu beschleunigen. So steht vor jedem Lokal ein oft phantastisch aufgeputzter Ausrufer, der seinen Nebenbuhler im Schreien zu überbieten versucht und die Genüsse seines „Salons“ in verlockendsten Bildern ausmalt.

      Auf den Strassen höre ich viel deutsch sprechen, und es ist erfreulich zu sehen, dass unsere Landsleute hier im allgemeinen scheinbar in guten Verhältnissen leben. Ganz anders die vielen russischen Emigranten; diese zählen ihrem Äußeren nach zu dem ärmsten Proletariat.

     Die Strassen sind alle außerordentlich stark belebt. Unter den Kraftwagen überwiegt das nordamerikanische Erzeugnis. Auch Pferdedroschken sind hin und wieder noch zu sehen. Jedes bessere Haus hat seinen eigenen uniformierten Pförtner, der vor dem Hauseingang auf dem Gehweg steht und sich langweilt. Auf uns wirkt diese lange Reihe überflüssiger Wachtposten recht komisch und protzenhaft.

     Da man in Buenos Aires links fährt und rechts überholt, fühlt sich der Fremde auf den Strassen zuerst etwas unsicher, umso mehr als die Wagen keine Fahrtrichtungsanzeiger haben und auf die Fußgänger auch nicht die geringste Rücksicht nehmen. Das Publikum auf den Strassen macht hier einen bedeutend besseren Eindruck als das in Rio. Argentinier scheinen nicht so viel Negerblut zu haben als die Brasilianer. Sie sind im allgemeinen grösser und kräftiger und sehen europäischer aus. Schwarze und Mischlinge sind hier auf den Strassen so gut wie gar keine zu sehen. Nur im Hafenviertel tun die Schwarzen die niedrigsten Dienste. Auch als Stiefelputzer, deren Gewerbe hier zu blühen scheint, sehe ich sie an den Straßenecken sitzen.

       Auf vielen Plätzen der Stadt sind etwa einen Meter hohe Marmorbecken aufgestellt, aus denen ein Wasserstrahl hochspringt. Viele der Vorübergehenden bücken sich, um auf diese gesundheitlich einwandfreie Weise ihren Durst zu stillen.

     Es fällt mir auch auf, dass hier morgens so viele Kinder in weißen Kitteln einherlaufen, und ich lasse mir erzählen, dass alle Schulkinder diese Tracht tragen müssen, aus Gründen der Sauberkeit und dann auch, um die sozialen Unterschiede wenigstens äußerlich etwas zu verwischen.

     Am zweiten Abend habe ich in meinem Hotel eine überraschende Begegnung. Ich komme aus meinem Zimmer, um in den Speiseraum zu gehen und treffe an der Pförtnerloge mit einem Herrn zusammen, der den Pförtner nach einem Herrn Quiring fragt.

      „Sie meinen vielleicht Herrn Quiring, dort kommt er eben die Treppe herunter.“

      Der Fremde kommt mir einige Stufen entgegen und stellt sich vor: „Nelson Litwiller ist mein Name. Ich bin mennonitischer Missionar aus Nordamerika.“

      Ich bin ob dieses Zusammentreffens sehr erstaunt und lade Herrn Litwiller ein, in mein Zimmer zu kommen. „Woher wissen Sie denn, wer ich bin und dass ich hier wohne?“ frage ich ihn.

      „Ja, das ist eine etwas verwickelte Geschichte,“ erzählt er halb deutsch, halb englisch. „Ich las vor längerer Zeit in der „Deutschen La Plata Zeitung“, dass in Buenos Aires wiederholt Russlandmennoniten angekommen seien, um in den Paraguayischen Chaco weiterzureisen. Ich nahm mir damals vor, nach solchen Transporten zu forschen, wenn ich einmal wieder nach der Hauptstadt kommen sollte. Gestern nun fragte ich in der französischen Schiffsgesellschaft nach, da ich wusste, dass die letzte mennonitische Gruppe aus China auf einem französischen Schiff gekommen war. Und richtig, gerade am Vortage war die „Lipari“ eingelaufen. Sofort fuhr ich an den Hafen und fragte mich zu ihren beiden Mennonitenfamilien durch. Diese erzählten mir auch von Ihnen. Ein liebenswürdiger Zufall kam mir zu Hilfe, und so habe ich Sie gefunden...“

      Litwiller kam schon 1925 nach Argentinien, und zwar im Auftrage der „Mennonite Board of Missions and Charities“, um hier eine mennonitische Mission ins Leben zu rufen. Im Laufe der nächsten Jahre wurden weitere sechs mennonitische Missionare aus Nordamerika in den amerikanischen Süden entsandt, die unter der spanischen Bevölkerung zu arbeiten begannen und bald eine eingeborene Mennonitengemeinde gründen konnten. Diese zählt heute bereits rund 500 getaufte Mitglieder. In ihrer Gemeinde sind alle Schichten und Berufe vertreten: Bauern, Arbeiter, Lehrer, Handwerker usw. Leiter der weit zerstreuten Gesamtgemeinschaft ist T. K. Hershey.

      Seit 1928 unterhält diese Mennonitengemeinde zusammen mit der nordamerikanischen Missionsgesellschaft eine eigene Bibelschule, die durchschnittlich von 7-8 Schülern besucht wird. In Cavadore arbeitet bereits der erste eingeborene Mennonitenprediger, ein Italiener von Geburt. Jedes Jahr kommen die Vertreter der Gemeinden auf der „Konferenz der Mennonitenkirche Argentiniens“ zusammen.

       Litwiller erzählt mir auch mancherlei von den Altkoloniern in Canada und rät mir, den Trauring im Chaco doch lieber nicht zu tragen, der weiße Kragen dagegen wäre „keine so grosse Sünde“. Und die Armbanduhr könne ich ja während meines Aufenthaltes dort auch in die Tasche stecken. Eine Empfehlung sei übrigens auch meine absolute „Bartlosigkeit“, meint er.

      Noch am selben Abend reiste Litwiller heim nach Pejuahu. Auf der Fahrt an die Bahn lässt er sich ausführlich auseinandersetzen, was ich von der Menschwerdung Christi und vom Tausendjährigen Reich halte.

      Tagsüber fahre und gehe ich nach dem Stadtplan durch die Strassen der Stadt, die vielfach Einbahnstraßen sind. Viele Straßen sind sehr eng, und wiederholt passiert es mir, dass ich auf dem Bürgersteig von der Straßenbahn gestreift werde, so nahe müssen sie an die Häuser heran. Das Straßenpublikum scheint völlig undiszipliniert zu sein, denn die Fußgänger halten weder rechts noch links, weichen aber bereitwillig und höflich aus.

      Zufällig komme ich eines Tages auch an dem vornehmsten Café der Stadt, das neben dem Parlament liegt, vorbei. Ich gehe hinein, um eine Tasse Kaffee zu trinken. Als ich eintrete, richten sich viele Blicke erstaunt und neugierig auf mich. Anfangs stutze ich, denn in dem vornehm ausgestatteten Raum sitzen nur Damen. Aber sie sehen durchaus ehrbar aus, und ich nehme an einem der freien Tische Platz. Gleich stecken neben mir einige Mädchen die Köpfe zusammen und kichern.

      Da kommt auch schon der befrackte Kellner auf mich zu und beginnt höflich auf mich einzureden. Aber ich verstehe kein Wort, schneide seinen Redeschwall schließlich ab und bestelle einen Kaffee. „Señor, Deutsch? Alemán?“ fragt er sichtlich ratlos und winkt einen seiner deutschsprechenden Kollegen herbei.

       „Verzeihen Sie, Herr,“ sagt dieser, „aber wir müssen Sie leider ersuchen, diesen Raum, der nur für Damen bestimmt ist, zu verlassen und im Nebenraum Platz zu nehmen.“

      „Ja, warum denn?“ frage ich erstaunt.

      „Sie sind offenbar noch nicht lange in Buenos Aires,“ antwortete er, „bei uns sitzen nämlich Herren und Damen in getrennten Räumen. Das mag Sie wundern, aber das ist so Sitte hier zu Lande und hat seine guten Gründe.“

      Also siedle ich um.

     Außerordentlich reich ist die Auswahl an Kuchen und süßem Gebäck in den Cafés. Da kommen wir in Deutschland nicht mit, – zudem sind die Kuchen nicht einmal halb so teuer wie bei uns.

     Auch hier beherrschen Lotterielos-Verkäufer und Wechselstuben vielerorts das Straßenbild. Die Erdnusshändler gehen, eine verrostete Trommel mit ihren Schätzen um den Hals gehängt, durch die Strassen und blasen in ein Horn, um die Vorübergehenden aufmerksam zu machen.

     Als ich einmal wieder in den Speiseraum meines Hotels komme und meine deutsche Reisemütze an den Kleiderhaken hänge, hält es der Wirt doch für notwendig, mich auf einen Verstoß gegen Mode und gute Sitte in Buenos Aires aufmerksam zu machen. Solche Mützen wie meine trügen in ihrem Lande, so deutet er schonend an, nur – die Strolche. Er persönlich hege natürlich kein Vorurteil gegen dieses europäische Kleidungsstück, aber es könne vorkommen, dass man mich wegen meiner Mütze unhöflich behandle. Tatsächlich stelle ich dann auf den Strassen fest, dass alle Passanten ohne Ausnahme im Hut einherlaufen.

      Am 9. Juli abends soll unsere Reise nordwärts weitergehen. Die „Stadt Asunción“, wie unser Flussdampfer heißt, liegt ziemlich weit außerhalb der Stadt. Während der ziemlich schnellen Fahrt dorthin springen immer wieder Gepäckträger auf das Trittbrett des Wagens, um sich so einen Verdienst zu sichern. Aber nun mache ich den Preis vorsichtshalber doch im voraus ab.

       Das hellerleuchtete, ganz neue schmucke Schiff steht bereits abfahrtbereit. Niebuhr kommt mir auf der Treppe entgegen: von hier wollen wir zusammen in einer Klasse reisen. Als der die Fahrkarten kontrollierende Beamte sieht, dass wir uns kennen, fragt er mich: „Mennonita?“ Und als ich bejahe, erhält ein Matrose den Auftrag, mich in die Kabine der anderen Mennonitas zu führen. Niebuhrs und Frau Mierau haben sich schon eingerichtet. Ich höre, dass den anderen Reisenden der Zutritt zu unserem Abteil, in dem 36 Betten stehen, während der ganzen Fahrt verboten bleiben wird. Die Mennonitas sollen ungestört unter sich sein.

      Lange stehe ich wieder draußen auf dem Achterdeck und schaue auf die lichtübergossene Stadt hinüber. Immer näher komme ich jetzt meinem Chacoziel. An den Oberschulzen von Fernheim habe ich von Buenos Aires gedrahtet und ihm unsere Ankunft gemeldet.

Fortsetzung folgt​




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